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1983 unternahm ich mit Dr. Jörg Vierke am oberen Rio Ucayali in Perú eine kleine Zierfischexpedition. Der Rio Ucayali erreicht hier auf seinem Westufer die Ausläufer der Anden, im Osten erstreckt sich das Amazonastiefland. Die westlichen kleinen Nebenflüsse sind somit meist schnellfließende Klarwasserbäche, die morgens recht kühl sind, abends dann warm. Die Temperaturunterschiede können dabei durchaus 10°C betragen. Das Bachbett ist steinig, Wasserpflanzen sind sehr selten anzutreffen. Dafür liegt, wie fast überall in amazonischen Gewässern, viel Geäst und Holz im Wasser, was das Fischen manchmal erschwert. Stängel des sehr häufigen "Wilden Rohrs" (Gynerium sagittatum), ein schilfähnliches Süßgras, liegen ebenfalls viel im Wasser herum und bieten Unterschlupf für die kleinen Welse, über die ich hier berichte (Bild 4 unten). Unser Bootsführer nahm ein Stängel aus dem Wasser, schlitzte ihn auf und zeigte uns so ein Fischlein, das sich darin versteckt hatte. In Aquarienkreisen war der Wels damals noch unbekannt, obwohl er eine sehr hübsche Zeichnung aufweist. Mir gefiel der Wels so gut, dass ich eine Aquarellzeichnung anfertigte (Bild 3 unten). Man hat in diesen Ländern einfach noch Zeit für so etwas! Jörg nahm das Fischchen mit, konnte es aber nicht lebend nach Deutschland bringen. In seinem Bericht im Aquarien-Magazin (Heft 6, 1983) bezeichnete er es nach seinen Recherchen als Centromochlus altae.

Inzwischen taucht der Fisch auch bei uns auf und ist sogar relativ einfach zu halten und zu vermehren. Er hat sich mit dem hübschen lateinischen Namen Tatia perugiae etabliert, was wohl auf das "Handbuch der Welskunde" von Hans-Joachim Franke zurückzuführen ist. Er führt dort einen Trugdornwels mit diesem Namen auf, wobei die Zeichnung nicht so recht passt. Der Gattungsname Centromochlus ist jedoch richtig, und ich glaube, dass auch beim Artnamen (altae) Jörg Vierke richtiger liegt als beim momentan verwendeten Artnamen perugiae. Aber das sollen die Wissenschaftler entscheiden. Lustig sind die vielen deutschen Namen, die der Wels schon bekommen hat: "Peruanischer Waldwels" (falsche Übersetzung aus der englischen Bezeichnung woodcat = Holzwels, kommt außerdem auch in Ecuador und Kolumbien vor, bestimmt auch im Bolivien), "Wasserhubschrauber" (wegen seiner Schwimmweise bei Nacht), "Netz-Trugdornwels" (das ist der seriöseste Name und sollte verwendet werden), und noch weitere.

Ich sah den Netz-Trugdornwels erstmals wieder im Schauaquarium unserer Freunde vom Aquarienverein Hohenlohe auf der Fisch & Reptil in Sindelfingen und musste natürlich ein paar davon haben, mit den notwendigen Tipps zur Haltung (danke Willy!).

Im Internet ist inzwischen viel über die Haltung und Zucht zu erfahren. Kurz zusammengefasst: Der Netz-Trugdornwels ist nachtaktiv. Tagsüber sieht man ihn nicht oder nur ein Stückchen davon in seinem Versteck (Tonröhren, Spalten in Steinen oder Holz). Man füttere abends oder nachts, dann geht die Post ab! Jemand hat treffend geschrieben, sie schwimmen, wie wenn man aus einem Luftballon die Luft raus lässt. Lebendfutter und Tiefkühlfutter aller Art, bestimmt auch Trockenfutter wird gefressen. Dabei wird das Futter aus allen Wasserschichten angenommen, interessanterweise auch von der Oberfläche. Ich vermute, dass sie in der Natur besonders nach den in der Nacht aufsteigenden Mückenlarven und nach Anflugnahrung schnappen. Ob sie im Aquarium Drosophila, Blattläuse, Käfer, Ameisen etc. nehmen, muss ich noch ausprobieren. Wer hat diesbezügliche Erfahrungen schon gemacht?

Horst Fries

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